Kaltblutrennen und mehr

Wissenswertes über das Kranzreiten in Förste



Die Onlinezeitung "www.der-wilde-guenther.de" veröffentlichte eine umfangreichen Fotostrecke übers Kranzreiten. Es wurden alle Starfelder mit Fotowiedergaben berücksichtigt. Nachfolgend ein dazugehörender Textbeitrag aus "www.eseltreiber.de". Dieser bezog sich speziell auf das Kaltblutrennen. Abschließend folgt ein Bericht aus der  Kreiszeitung (Harzkurier)

Ältester schriftlicher Beleg stammt von 1593

Materielle Gewinne oder sonstigeVergünstigungen müssen sich die einheimischen Teilnehmer am nächsten Tag beim „Tollen“ mühevoll verdienen. In den frühen Morgenstunden ziehen Reiter und Pferde durch das Dorf, es wird Haus für Haus „getollt“: Unter lautstarkem Aufsagen des Spruchs wurden (früher) Lebensmittel zur eigenen Versorgung eingesammelt. Heute ist es mehr das Bargeld, welches den Teilnehmern das frühzeitige Aufstehen „versüßt“.  Der älteste schriftliche Beleg entstammt dem Oldeshäuser Familienarchiv und ist über 400 Jahre alt. Das beweist: Bereits damals wurde ersatzweise in bar bezahlt! Sinngemäß lautet der Eintrag in der Jahreshaushaltsrechnung: „Den 5. Juni (1593) wird den Jagejungen für ein ihnen zu Pfingsten zustehendes Quantum Schafskäse die Geldsumme von 3 Groschen bezahlt, zu welchem der Junker noch weitere 4 Groschen freiwillig hinzulegt„.

Kaltblut als Rennpferd

Zugegeben, seit Landgestüte und Rennbahnen das Kaltblutpferd für sich entdeckt haben, sind atypische Renneinlagen mit den schwerfällig wirkenden Riesen einem  Teil der Bevölkerung nicht mehr gänzlich unbekannt.  Doch in Förste  musste keine Marktlücke gesucht werden, schließlich wurde hier seit eh und je ein Kaltblutrennen ausgetragen. Die einzige große Veränderung vollzog sich Anfang der siebziger Jahre. Alleinansprüche auf einen Start bleiben nicht länger den männlichen Teilnehmern vorbehalten. Heute gibt eindeutig das weibliche Geschlecht den Ton an. 

Ältere Presseberichte

1974 war zu lesen:

Kranzreiten – Volksfest mit geschichtlich verankerten Tradition

Trotz des wenig freundlichen Wetters zog es auch in diesem Jahr überraschend viele Besucher zum Kranzreiten nach Förste. Kein Ereignis bringt so viele Autos mit selten gesehenen Kennzeichen in das Dorf. Es bleibt ein Verdienst des Förster Reitvereins, so viele „stinkende“  PS wenigstens für ein paar Stunden auf den Parkflächen festzuhalten, zugunsten einer Demonstration, die auch dem Unbefangenen eine Ahnung vermitteln mag, welche Rolle das Pferd im Leben des Menschen gespielt hat. Vielleicht heute die wichtigste Aufgabe des Reitsports, den treuen Dienern des Homo Sapiens einen neuen Lebensraum auch im umweltgeschärften Bewusstsein des Durchschnittsbürgers zu schaffen.

Gerade bei diesem in Niedersachsen einmaligen Ereignis fehlt manchmal der tierische Ernst des Leistungssports; im Gegenteil macht es nachgerade den Charme der Darbietung aus, macht sie im besten Sinne volkstümlich. Schon der Anmarsch zum „Rennplatz“  vollzieht sich nicht im sattsam bekannten Organisationsschema, sondern auf Tuchfühlung. Mit „Musike“ streben Aktive wie Zuschauer zum Veranstaltungsplatz. Man kennt den einen oder anderen, die Atmosphäre ist familiär…. Neben dem imposanten Feld der Kaltblutpferde, wo sähe man sonst noch so viele der einstmals wichtigsten Helfer in Feld und Wald beisammen, die das Hauptereignis bestritten, gab es mehrere Pony- und Warmblutrennen……

 

1975  hieß es:

Tausende wurden gestern in Förste Zeugen eines ungewöhnlichen Pferderennens. Für dieses seltene Erlebnis waren selbst Besucher aus dem Raum Göttingen und Braunschweig/Salzgitter nach Förste gekommen. …sieben Kaltblüter, die größten und schwersten Pferde, waren am Start. Ihr Rennen war Abschluss und Höhepunkt des Kranzreitens zugleich

 

Ursprung liegt über 1200 Jahre zurück

Historiker führen die Veranstaltung auf mittelalterliche Wehrtüchtigkeitsprüfungen zurück.

Die ältesten schriftlichen Belege sind knapp 450 Jahre alt. Vermutet wird, dass Kranzreiten alten Überlieferungen zu Folge auf die Zeit Heinrich I. um das Jahr 900 zurück zu führen sei. Ursprünglich diente es dem Zweck, die männliche Bevölkerung im Waffen- und Reiterdienst zu üben. Die Bedenken der letzten Jahre, dass Kranzreiten wegen des Pferdemangels aufgegeben werden müsse, sind vorerst ausgeräumt worden. Trotz Automatisierung hat das Pferdedorf Förste einen hohen Pferdebestand

Text: (C) Joachim Schwerthelm


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